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Zwischen Spaß und Haltung – Karneval mit Kindern diskriminierungskritisch feiern

Impulse für die Praxis • 11.02.2026
Bild: DKJS/J. Erlenmeyer und N. Götz
© DKJS/J. Erlenmeyer und N. Götz

Karneval, Fasching, Fastnacht oder gar die fünfte Jahreszeit – das Fest mit vielen Namen steht vielerorts vor der Tür. Für viele Kinder ist Karneval eine beliebte Gelegenheit, um gemeinsam zu feiern, in Kostüme zu schlüpfen und beutelweise Süßigkeiten zu sammeln. Doch Karneval ist mehr als Spaß und Verkleidung und bietet vielfältige Anlässe für mit Kindern. 

Karneval als Raum für Ausnahmen und spielerisches Ausprobieren

Karneval ist ein Ausnahmezustand: Dinge werden möglich, die sonst nicht erlaubt sind. Rollen werden getauscht, Normen humorvoll gebrochen, und Fantasie zum Leben erweckt. Das macht das Fest zu einer lebensweltorientiertenhttps://www.reflexionstool-demokratiebildung.de/glossar/lebensweltenorientierung Gelegenheit, um über Freiheit, Vielfalt, Respekt und Zugehörigkeit ins Gespräch zu kommen. 

Gleichzeitig kann Karneval auch Ausschlüsse sichtbar machen – etwa durch Kostüme, die Personengruppen klischeehaft darstellen. heißt hier: Perspektiven erweitern, diskriminierungskritischhttps://www.reflexionstool-demokratiebildung.de/glossar/diskriminierungskritik gestalten und gemeinsam aushandeln, wie ein Fest für alle schön und sicher sein kann. 

Kostüme und diskriminierungskritische Demokratiebildung

Kostüme laden Kinder dazu ein, mit Rollen zu spielen und unterschiedliche Seiten ihrer Persönlichkeit auszuprobieren. Gleichzeitig spiegeln sie oft gesellschaftliche Erwartungen wider – besonders im Hinblick auf Geschlechterrollen. So traut sich vielleicht nicht jedes Kind, sich als Superheld:in, Ritter oder Fee zu verkleiden. Karneval bietet einen wertvollen Anlass, um über Geschlechtererwartungen zu sprechen, Kinder zu bestärken und Räume zu öffnen, in denen sie sich frei ausdrücken können. 

Zugleich können Kostüme– oft unbeabsichtigt – auf stereotype oder abwertende Darstellungen zurückgreifen. Das passiert zum Beispiel, wenn Menschen auf Hautton, Kultur, Religion oder Körper reduziert oder lächerlich gemacht werden. Auch wenn es nicht verletzend gemeint ist, können Kinder sich selbst oder ihre Familien darin wiederfinden und das tut weh. 

Vorurteile, kulturelle Aneignungen und die Wirkung von Kostümen zu thematisieren, sensibilisiert Kinder für Ungerechtigkeiten. Sie lernen zu erkennen, wann Verhalten und Kostüme herabwürdigend sind, welche Gefühle sie hervorrufen und was sie dagegen tun können. 

bedeutet hier, sensibel für unterschiedliche Perspektiven zu werden, Kinder zu stärken und Feste so zu gestalten, dass sich alle Kinder zugehörig, respektiert und sicher fühlen. Dabei geht es nicht darum, Feiern einzuschränken, sondern darum, dass alle Kinder teilhaben können. Das ist ein Kern menschenrechtsorientierter

Es gibt gleich mehrere Möglichkeiten, wie dies gelingen kann:

Klischeefreies Motto gemeinsam wählen

Erwachsene Begleitpersonen können gemeinsam mit den Kindern Themenwelten auswählen, die viel Raum für Kreativität bieten und gleichzeitig keine Klischees hervorrufen, z.B. Unterwasserwelt, Weltall oder Tiere im Wald. 

Gemeinsam können das Motto und Regeln für das Feiern miteinander bestimmt werden:

  • Wie wollen wir feiern?

  • Was brauchen wir, um uns dabei gut und sicher zu fühlen?

  • Welche Kostüme sind willkommen?

  • Was verletzt oder schließt aus?

Wenn wir mit Kindern darüber sprechen, wie alle gut und sicher miteinander feiern können, bietet es sich an, dies mit Bildung über zu verbinden. Der Kölner Verein Zartbitter e.V. hat dies zum Beispiel getan und gemeinsam mit Kindern eine Ausstellung zum Thema „ im Karneval entwickelt: Ausstellung Kinderrechte Karneval - Zartbitter e.V.https://zartbitter.de/kka/

Kostüme unter die Lupe nehmen

Kinder bringen ihre Kostüme mit oder malen sie. Dann tauschen sie sich aus:

  • Was bedeutet „verkleiden“ für dich – was macht daran Spaß, was vielleicht nicht?
  • Welche Figur möchte ich sein – und warum?
  • Welche Eigenschaften hat diese Figur?
  • Welche Figur wärst du gern im echten Leben – und warum?
  • Gibt es Kostüme, die du dich nicht traust zu wählen? Warum?
  • Woran erkennst du, ob ein Kostüm fair ist oder jemanden verletzen könnte?

Falls ein Kind sich ein Kostüm wünscht, das Vorurteile bedient, kann gemeinsam mit dem Kind darüber gesprochen werden, warum es verletzend für andere sein kann. Zusammen kann ergründet werden, was sie so besonders an dem Kostüm mögen. Gemeinsam lassen sich oft Alternativen finden, die diese Qualitäten bieten – ohne andere herabzuwürdigen. Die Plakat-Kampagne „Ich bin kein Kostüm!“, die ursprünglich in Ohio von Studierenden of Colour gestartet wurde, kann einen hilfreichen Gesprächsanlass bieten: Plakatreihe „Ich bin kein Kostüm!“ | Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.https://www.oegg.de/plakatreihe-ich-bin-kein-kostuem/

Denjenigen, die sich gerne tiefergehend mit der diskriminierungskritischen Begleitung von Karneval auseinandersetzen möchten, können wir die Broschüre des Institut Kinderweltenhttps://www.kompetenznetzwerk-deki.de/fileadmin/user_upload/Material/Materialsammlung/KiDs_Fasching.pdf empfehlen. Das Institut Kinderweltenhttps://kinderwelten.net/ ist im Kooperationsverbund „Demokratiebildung im Kindesalter“https://www.demokratiebildung-im-kindesalter.de/ die Expert:in für diskriminierungskritische Bildung mit Kindern. 

Karneval bietet also, neben Spaß und bunten Kostümen, wertvolle Anlässe für gelebte . Wir wünschen allen viel Freude dabei, Karneval als Anlass für lebendige zu entdecken! 

Autor:in

Name Autor:in

Laura Sahm

Laura ist als Referentin für für Impuls- und Reflexionsformate zuständig. In ihr schlägt ein Idealistinnen-Herz, und wenn sie nicht arbeitet, ist sie höchstwahrscheinlich wandernd mit dem Rucksack unterwegs.

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