Demokratie findet draußen statt: Methoden für Demokratiebildung im öffentlichen Raum
findet nicht nur im Klassenzimmer, Jugendzentrum oder Seminarraum statt. Auch draußen gibt es viele Orte, an denen Demokratie verhandelt und erlebbar wird: auf Straßen und Plätzen, im Kiez, im Park.
Der öffentliche Raum gehört uns allen. Verschiedene Menschen bewegen sich hier, treffen aufeinander, tauschen sich aus (ob bewusst oder unbewusst) und gestalten die Umgebung gemeinsam. Deswegen funktioniert auch im öffentlichen Raum.
Politik findet überall statt
Schon ein kurzer Spaziergang kann zum (politischen) Lernanlass werden. Eine einfache Methode, die ich vor kurzem ausprobiert habe und sehr spannend fand: Die Teilnehmenden (egal welchen Alters) bekommen 15 Minuten Zeit und den Auftrag, in der direkten Umgebung Zeichen für politische Partizipation zu finden.
Selbst in einem frisch entstandenen Neubauviertel haben wir überraschend viel gefunden: Sticker, Graffiti mit politischen Botschaften, Stolpersteine und Regenbogenflaggen an Häusern. Anschließend kann gemeinsam besprochen werden, was gefunden wurde und welche Entdeckung uns am meisten berührt oder überrascht hat.
Einen eigener (Stadt-)Rundgang
Eine ganz klassische Methode der im öffentlichen Raum ist ein Stadtrundgang. Auch für Kinder werden viele Rundgänge angeboten. Aber einen Stadtrundgang kann man auch selbst gestalten!
Eine Möglichkeit: Die Umgebung wird aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen betrachtet. Der Auftrag kann sein: „Sucht euch einen Ort aus, der euch wichtig ist. Was bedeutet dieser Ort für euch?“. Gemeinsam besucht man diese Orte und die Kinder erzählen, wieso ihnen der Ort wichtig ist, was dort passiert und vielleicht auch, was sie dort gerne verändern würden.
Aber auch thematische Rundgänge sind möglich. Zu einem bestimmten Thema kann die Gruppe selbst einen Rundgang vorbereiten und dann gemeinsam durchführen.
Einen Rundgang planen: Worauf kommt es an?
Wenn ein größerer Rundgang entstehen soll, lohnt es sich, zuerst das Ziel zu klären: Was sollen die Teilnehmenden am Ende mitnehmen?
Danach folgen weitere Fragen:
- Welche Inhalte sind wichtig?
- Welche Orte erzählen etwas darüber?
- Welche Methoden passen dazu?
- Wer spricht? Welche Perspektiven kommen vor?
- Welche Rolle übernehmen die Kinder und Jugendlichen?
Wichtig ist dabei immer: Die Zielgruppe mitdenken. Ein Rundgang für Grundschulkinder funktioniert anders als einer für Jugendliche oder Erwachsene.
Die Umgebung erforschen
Was sind eigentlich die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf ihre örtliche Umgebung? In diesem Beitraghttps://www.reflexionstool-demokratiebildung.de/aktuelles/wessen-stadtbild-zaehlt-kinderperspektiven-auf-den-sozialraum geht es um die Methode der „Dorfdetektiv:innen“: Kinder erforschen bspw. den Schulhof, was ihnen gefällt oder was sie stört. Das klappt aber auch im Park oder auf dem Schulweg.
Eine andere Methode ist die Kartierung des eigenen Umfelds. Leitfragen können sein: Wo halte ich mich gerne auf? Wo nicht? Wo gibt es Orte zum Spielen oder Treffen? Daran anschließend kann über Änderungsbedarfe gesprochen werden – und dann ist es natürlich gut, wenn die Änderungswünsche auch umgesetzt werden.
Wenn etwas stört: Vom Ärger zum Aktivwerden
Stichwort Änderungswünsche: Der öffentliche Raum ist auch ein Ort, der genutzt wird, um Veränderungen anzustoßen und Forderungen sichtbar zu machen – z.B. durch Demos oder Plakate. Wenn Kinder und Jugendliche Wünsche haben, was fehlt oder was anders sein müsste, dann kann auch daraus entstehen. Mögliche Ideen sind, eine Protestaktion zu gestalten (wenn das die Idee der jungen Menschen ist) oder Forderungen zu sammeln und beispielweise durch Plakate sichtbar zu machen.
Der öffentliche Raum ist ein Ort, der durch uns alle unterschiedlich genutzt und gestaltet wird. Für bietet er viele Möglichkeiten: Zum Erkunden der Umgebung, dem Einbringen eigener Perspektiven und zur Mitgestaltung unseres Zusammenlebens.