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Familien im Plural - mehr als Vater, Mutter, Kind

Impulse für die Praxis • 04.08.2026
Gepunkteter Kreis auf Leinen.
© DKJS / Andi Weil

Als Kind spielte ich „Vater, Mutter, Kind“ – ohne zu hinterfragen, dass dieses Rollenspiel ein Bild von Familie vermittelt, das schon damals weder meiner Lebensrealität noch der vieler anderer Kinder entsprach. Denn: Familien waren und sind vielfältig (Neunter Familienbericht 2021https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/179392/195baf88f8c3ac7134347d2e19f1cdc0/neunter-familienbericht-bundestagsdrucksache-data.pdf). Kinder wachsen in unterschiedlichen Familienformen auf: mit einer alleinerziehenden Mutter, einem alleinerziehenden Vater, zwei Müttern, zwei Vätern, mit Elternteilen, in Patch-Work- oder Pflegefamilien, in Wohngruppen oder bei den Großeltern. Die Liste könnte weiter fortgeführt werden. 

Dass unterschiedliche Familienformen gleichberechtigt anerkannt werden, ist Ausdruck einer freiheitlichen Demokratie. Sie schützt das Recht von Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, ohne aufgrund ihrer Familienform benachteiligt zu werden.

Der Anschlag auf den Berliner Christopher-Street-Day (CSD) macht jedoch erneut in erschütternder Weise deutlich, dass die Anerkennung einer freien, selbstbestimmten Lebensweise und somit auch die Gleichstellung vielfältiger Familienformen keineswegs selbstverständlich ist. Dabei ist der Anschlag der extreme Ausdruck einer , die sich auch in gesellschaftlich verbreiteten Einstellungen und zunehmenden Vorurteilen, politischen Debatten, Gewalttaten oder Kürzungen von Unterstützungsstrukturen, wie queeren Projekten und Räumen, widerspiegelt (Mitte-Studie 2024/25https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=159793&token=a099ca93e22c1a570a0bd707dadbd78916d8a27f; Lagebericht zur kriminalitätsbezogenen Sicherheit von LSBTIQ* 2024https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/BMI24043-lb-lsbtiq.pdf?__blob=publicationFile&v=2; TAZ 2025https://www.fr.de/politik/familienministerium-streicht-lambda-nach-36-jahren-die-foerderung-94415489.html). 

Die aktuellen Debatten um Leihmutterschaft zeigen, wie kontrovers Fragen rund um Familiengründung, Selbstbestimmung und gleiche Rechte für Menschen mit Kinderwunsch verhandelt werden.

Zudem werden die Kosten einer In-Vitro-Fertilisation nur für Heteropaare, nicht aber für gleichgeschlechtliche Paare oder alleinstehende Personen mit Kinderwunsch anteilig von Krankenkassen übernommen. Erst seit Oktober 2017 dürfen verheiratete, gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland Kinder adoptieren. 
Wer bei der Familienplanung Unterstützung erhält und welche Familienformen gesellschaftlich anerkannt werden, ist von Normen abhängig und unterliegt historischem Wandel. Aus diesem Grund kommt , die für Menschenwürde und gleichberechtigte Teilhabe, Freiheit und Selbstbestimmung eintritt, eine herausragende Bedeutung zu.

Auch Kinder nehmen schon früh wahr, wie über ihre Familie und wichtige Bezugspersonen gesprochen wird. Für sie bedeutet die Anerkennung ihrer Familie und Bezugspersonen auch die Anerkennung ihrer sozialen Identität. Es geht dabei um Zugehörigkeit und das Gefühl angenommen und sicher zu sein, aber auch darum, wie frei Kinder eigene Lebensentwürfe entwickeln können. 

Damit sich Kinder mit verschiedenen Familien und Lebensweisen auseinandersetzen, können Erwachsene Anlässe schaffen, über ihre Bezugspersonen oder (Herzens-)Menschen ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel kannst du:

  • mit Kindern über ihre Familie und „Herzensmenschen“ sprechen: Bastelt Collagen oder malt Bilder, auf denen Kinder sich selbst in die Mitte und drumherum alle Personen malen, die ihnen wichtig und die für sie da sind.

  • Vielfalt sichtbar machen: Nutze Bücher oder Filme, in denen unterschiedliche Familienformen und Lebensrealitäten selbstverständlich vorkommen. So können sich Kinder darin wiederfinden oder weitere Familienformen kennenlernen. In der Bücher-Sammlung des Institut Kinderwelten können zum Beispiel kuratierte Kinderbücher zum Thema „Familienformen“ gesucht werden: https://kinderwelten.net/kinderbuecherhttps://kinderwelten.net/kinderbuecher

  • aktuelle Debatten aufgreifen: In einer Gesprächsrunde kannst du zum Beispiel mit Kindern besprechen, was Leihmutterschaft bedeutet (logo!-Video dazuhttps://www.zdf.de/play/magazine/logo-154/leihmutter-einfach-erklaert-100); dass manche Paare sich Kinder wünschen, aber keine bekommen können; welche Rechte in Deutschland diesbezüglich für wen und warum gelten und nicht zuletzt was die Kinder mit Blick auf die Perspektive der „Leihmütter“, der Paare mit Kinderwunsch, der Kinder, die durch Leihmutterschaft zur Welt kommen, denken. Dabei gibt es nicht die eine richtige Antwort und verschiedene Perspektiven und Werte müssen miteinander verhandelt werden. 

So können Kinder von Beginn an in einem Umfeld aufwachsen, das vielfältige Lebensweisen und Familienformen anerkennt und sie dazu ermutigt, gesellschaftliche Regeln und zugrundeliegende Werte kritisch zu reflektieren – eine wichtige Grundlage einer lebendigen und freiheitlichen Demokratie. 
 

Autor:in

Name Autor:in

Laura Sahm

Laura ist als Referentin für für Impuls- und Reflexionsformate zuständig. In ihr schlägt ein Idealistinnen-Herz, und wenn sie nicht arbeitet, ist sie höchstwahrscheinlich wandernd mit dem Rucksack unterwegs.

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