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Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche? Digitale Mündigkeit als Demokratiekompetenz!

Impulse für die Praxis • 19.02.2026
DKJS/ Franziska Schmitt
© DKJS/ Franziska Schmitt

Braucht es ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche? Nach dem Vorbild Australiens wird diese Forderung aktuell auch hierzulande von Politiker:innen ins Gespräch gebracht. Studien zu suchtähnlichen Nutzungsmustern verschärfen die Debatte, ob es strengere Regeln für junge Menschen im Netz braucht. Im Kern geht es um die Frage: Wie können digitale Räume so gestaltet werden, dass sie Teilhabe bieten und gleichzeitig sichere Orte sind?

Digitale Räume sind auch politische Räume

Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube sind längst Teil der Lebenswelt junger Menschen: Für viele sind sie Orte, an denen sie sich ausdrücken, informieren oder vernetzen. Es liegen auch Daten vorhttps://www.leopoldina.org/fileadmin/Daten/Publikationen/Dokumente/2025_Diskussionspapier_Soziale_Medien.pdf, dass besonders Minderheiten und vulnerable Gruppen wie LGBTQ+ von den positiven Effekten profitieren, soziale Unterstützung erfahren und ihr Selbstvertrauen stärken. Soziale Plattformen sind längst keine Randerscheinung, sondern relevante Orte der politischen Meinungsbildung und Teil der demokratischen Öffentlichkeit. 

Gleichzeitig beruhen sie auf Geschäftsmodellen, die Aufmerksamkeit maximieren, Verweildauern erhöhen und Interaktion steigern. Personalisierte Feeds, algorithmische Empfehlungen und endloses Scrollen beeinflussen, was wir sehen, denken, liken und teilen. Diese Logik der Aufmerksamkeitsökonomie kann Selbstbestimmung erschweren – nicht nur bei jungen Menschen. Lange Bildschirmzeiten können zu problematischen Nutzungsmustern führen und negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, zu diesem Ergebnis kam u. a. eine DAK-Studie von 2024https://www.dak.de/dak/gesundheit/psychische-gesundheit/sucht/social-media-sucht-bei-jugendlichen_85778. Hinzu kommen weitere Risiken wie Cybermobbing, Belästigung, Desinformation oder verstörende (KI-generierte) Bilder. Es ist daher nur folgerichtig, dass sich Entscheidungsträger:innen fragen: Welche verbindlichen Regeln brauchen wir im digitalen Raum und wie lassen sie sich umsetzen?

Die Bundesregierung arbeitet daher an einem Gesetzesentwurf das „Social-Media-Schutzräume für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren“https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/social-media-verbot-kinder-jugendliche-studie-sucht-100.html vorsieht. Eine Expertenkommission entwickelt bis zum Sommer Empfehlungen dafür. Zwischenzeitlich diskutiert die CDU über eine Altersgrenze von 16 Jahren und eine verpflichtende Altersverifikation. Die SPD schlägt Altersbeschränkungen zu Social-Media-Plattformen mit einer „Wallet“ – einer digitalen Brieftasche – vor, und „kindgerechte Voreinstellungen“ für 14- bis 16-Jährige. Unter 14-Jährige sollen keinen Zugang erhalten.

Politische Debatten: Verbote, Regulierungen und Teilhabe

Doch machen solche Verbote soziale Plattformen tatsächlich sicherer? Kritische Stimmen kommen u.a. von dem Medienrechtler Stephan Dreyerhttps://netzpolitik.org/2026/australisches-modell-ein-social-media-verbot-macht-den-jugendschutz-schlechter/ . Schutz könne besser über die Durchsetzung bestehenden europäischen Rechts, altersgerechte Angebote und die Förderung digitaler Kompetenzen erreicht werde. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Louisa Specht-Riemenschneider spricht von unverhältnismäßigen Hürdenhttps://www.zdfheute.de/politik/deutschland/social-media-verbot-kinder-jugendliche-studie-sucht-100.html#:~:text=Erziehungswissenschaftler%20gegen%20Verbot,Beh%C3%B6rde%20zum%20%22Handelsblatt%22. für Angebote, die speziell für junge Nutzer:innen gestaltet werden. Andere weisen darauf hin, dass so auch das Recht auf digitale Teilhabe, Information und Bildung für junge Menschen deutlich eingeschränkt wird. Die Frage wird lauten, wie junge Menschen als 16-Jährige dann gut im Umgang mit Sozialen Medien vorbereitet sein können.

Auch Stefan Schönwetter, Experte für Digitale Bildung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung äußert Bedenken: 

„Schon heute existieren auf dem Papier Altersgrenzen für Jugendliche. Weder halten sich Jugendliche an diese Grenzen, noch setzen die Anbieter entsprechende Kontrollen um. Es kann nicht darum gehen, dass wir Zugänge zu Teilhabe für junge Menschen immer schwerer machen. Plattformbetreiber müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Wenn sie Plattformen Kindern und Jugendlichen zugänglich machen, müssen sie ihre Plattform entsprechend gestalten. Wenn es dazu kommt, dass Jugendliche nicht mehr auf Social Media aktiv sein können, muss die Teilhabe in analogen Räumen weiter gestärkt werden. Es braucht mehr attraktive Angebote auch in den ländlichsten Räumen, damit Jugendliche teilhaben Können.“

 

Zwischen diesen Polen wird deutlich: Digitale Räume sind längst politische Räume, in denen Schutz, und Selbstbestimmung miteinander abgewogen werden müssen.

Digitalkompetenz als Demokratiekompetenz: Warum gehört digitale Mündigkeit zu Demokratiekompetenzen?

Für die (Demokratie-)Bildung gilt: Digitale ist kein Zusatzthema, sondern zentral.

  • Algorithmen verstehen heißt Urteilskraft stärken. Wer nachvollziehen kann, warum bestimmte Inhalte angezeigt werden, kann Informationen besser einordnen.
  • Digitale Teilhabe ist ein demokratisches Recht. Politische Diskussionen finden heute maßgeblich online statt.
  • Umgang mit Desinformation ist eine Schlüsselkompetenz. Demokratie lebt von informierten eigenen Entscheidungen.
  • Verantwortung und Aushandlung gelten auch in Digitalen. Respekt, Perspektivübernahme und Diskursfähigkeit enden nicht am Bildschirm.

Was heißt das für die Praxis?

Im pädagogischen Alltag kann das Thema niedrigschwellig aufgegriffen werden, etwa durch Fragen wie:

  • Was findest du spannend an Sozialen Medien? Was herausfordernd? Warum?
  • In welchen Momenten fühlt sich die Nutzung von Social Media gut und stärkend an? Wann anstrengend und belastend?

  • Welche Unterstützung wünschst du dir, um selbstbestimmt zu handeln?
  • Wie könnte ein bewusster Umgang mit Zeit online aussehen?

Solche Fragen machen deutlich, dass es nicht nur um Regeln geht, sondern auch darum, wie wir Räume gestalten, in denen Entfaltung und gegenseitige Rücksichtnahme gleichermaßen möglich sind. Teilhabe beginnt schon im Kleinen: beim eigenen Posten, Mitreden und Reflektieren darüber, wie digitale Entscheidungen unser Leben beeinflussen.

Unabhängig davon, welche Regeln künftig für die Nutzung Sozialer Medien gelten, braucht es Kompetenzen, um souverän mit ihnen umzugehen und die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir digitale Räume so gestalten, dass alle darin geschützt, beteiligt und gestärkt werden.

Hier findest du passendes Material für den Unterricht:

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Kathleen Schkade

Kathleen Schkade sorgt dafür, dass Veranstaltungen gut laufen. Im Team wird sie für ihre achtsame, ruhige Art geschätzt – und als Profi an der Tischtennisplatte.

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