“Medienkompetenz ist eine Grundvoraussetzung für mündige politische Teilhabe“ - Im Gespräch mit Medienpädagogin Anja Pielsticker
Soziale Medien und digitale Räume sind schon früh fester Bestandteil der Lebenswelten von Kindern. Die KIM-Studiehttps://mpfs.de/studie/kim-studie-2024/ zeigte, dass bereits 42-73% der 6- bis 13-Jährigen regelmäßig Dienste wie WhatsApp oder TikTok nutzen.
Anja Pielsticker ist freie Medienpädagogin und arbeitet insbesondere zu frühkindlicher Medienbildung. Im Interview erklärt sie, warum Medienkompetenz eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe ist, mit welchen Methoden sie sich stärken lässt und wie Fach- und Lehrkräfte Einblicke in die digitalen Lebenswelten von Kindern gewinnen können.
DKJS: Warum ist Medienkompetenz eine wichtige Demokratiekompetenz?
Demokratie lebt von informierten Bürger:innen, die Entscheidungen auf Grundlage verlässlicher Informationen treffen können. Digitale Medien sind heute der zentrale Raum, in dem politische Meinungsbildung stattfindet, aber auch der Ort, an dem Falschmeldungen, Desinformation, Manipulation und Polarisierung wirken. Wer nicht in der Lage ist, Informationsquellen bewerten zu können, Algorithmen zu durchschauen oder Filterblasen zu erkennen, ist in seiner demokratischen Teilhabe eingeschränkt.
Medienkompetenz ist daher eine Grundvoraussetzung für mündige politische Teilhabe. Sie befähigt Menschen dazu, Informationen kritisch zu hinterfragen, KI-generierte Inhalte zu erkennen, eigene Positionen zu entwickeln, aber auch sich auszudrücken, sich online zu engagieren und so am öffentlichen Diskurs teilzunehmen. Wer Medien nicht kompetent nutzen kann, kann Demokratie nicht vollständig leben.
DKJS: Viele junge Menschen sind täglich im digitalen Raum unterwegs. Wie können Fachkräfte Einblicke in digitale Lebenswelten bekommen?
Anja Pielsticker: Der wichtigste Schritt ist echtes Interesse gegenüber den Kindern und Jugendlichen. Interesse zu zeigen und zu fragen, was sie online machen, ist eine Voraussetzung, um Vertrauen aufzubauen und Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen. Zudem erzählen junge Menschen gerne, was sie auf Snapchat, TikTok, Discord oder Instagram beschäftigt oder welche Videos und Nachrichten sie auf WhatsApp bekommen haben, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Gegenüber nicht sofort bewertet und auch akzeptiert, wenn mal etwas nicht geteilt wird. Fachkräfte können so Kinder und Jugendliche als Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt anerkennen.
Fachkräfte sollten auch selbst Plattformen erkunden, um zu verstehen, wie sie funktionieren, was daran Spaß macht, problematisch sein kann und welche Inhalte dort zirkulieren.
DKJS: Wie lässt sich eine gute Balance zwischen Chancen und Risiken gestalten?
Anja Pielsticker: Digitale Medien ermöglichen Partizipation, Selbstausdruck, Spaß, Spiel, Zugang zu Wissen, Vielfalt sowie Vernetzung und Gegenöffentlichkeiten. Dies bereichert unser aller Leben und schenkt auch Kindern und Jugendlichen digitale Möglichkeiten. Dennoch braucht es gleichzeitig klare, entwicklungsgerechte Begleitung, Schutz und Regeln. Dies sollte nicht nur durch Verbote erreicht werden, sondern durch eine interessierte und offene Haltung, Reflexion und handlungsorientierter Medienpädagogik und Medienbildung. Dies kann durch Projekte, Gespräche, gemeinsames Spielen und Gespräche in den pädagogischen Alltag eingebunden werden. Parallel brauchen wir kindgerechte digitale Räume, so dass sich Kinder Schritt für Schritt entwickeln und medienkompetent werden können.
DKJS: Welche Fehlannahmen rund um das Thema begegnen dir häufig?
Anja Pielsticker: Typische Fehlannahmen sind unter anderem:
Häufige Fehlannahmen
DKJS: Welche Ansätze und Methoden eignen sich, um Medienkompetenz zu stärken?
Anja Pielsticker: Es gibt viele Ansätze und Methoden, die im pädagogischen Alltag umgesetzt werden können und nicht alles muss neu erfunden werden. Daher macht es Sinn, im Internet und bei medienpädagogischen Institutionen nach Methoden zu suchen und diese dann auf das Setting in der jeweiligen Einrichtung anzupassen.
Hier nur einige Beispiele:
DKJS: Vielen Dank für das Gespräch!
Zum Thema Medienkompetenz als Teil von Demokratiebildung gab Anja Pielsticker am 28. April 2026 im Rahmen des Digitalcafés „Scrollen, liken, urteilen – Demokratiekompetenzen in digitalen Räumen stärken“ einen Impuls. Auf der TaskCard https://dkjs.taskcards.app/#/board/1a692f02-d967-43c0-95af-040d486631e2?token=5bcae79d-8762-45fe-9eed-88ce415826feder Veranstaltung findest du zahlreiche weiterführende Texte und Methodenimpulse.
Rückfragen? Anja Pielsticker kannst du über ihre Website http://www.anjapielsticker.com/kontaktieren.