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Die Klimakrise hat nie hitzefrei

Impulse für die Praxis • 08.07.2026
Porträtbild von Anna Grebe vor orangem Hintergrund. In weißem Kasten: Gastautorin Anna Grebe
© Paz Olivares Droguett

Mein Nachbarskind wird 10 Jahre alt. Ihre Mutter hat in der WhatsApp-Gruppe der Hausgemeinschaft angekündigt, dass sie Freund:innen eingeladen hat und dass es im Hof etwas lauter werden könnte, weil sie bei diesem Wetter draußen feiern wollen. Wenige Tage später tummeln sich etwa 20 lachende Kinder und ihre Eltern in unserem Innenhof in mehreren kleinen Planschbecken, essen Eis und jagen sich gegenseitig mit Wasserpistolen. Ich schaue in den Hof – und dann auf das Thermometer. Es sind 39 Grad. Und es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ich freue mich über die Ausgelassenheit der Kinder (und dass ich in einer Hausgemeinschaft lebe, die sich über das Lachen und Kreischen nicht beschwert). Aber ich merke auch, wie ich die Angst vor dem, was diese Temperaturen verheißen, nicht ausblenden kann: die Klimakatastrophe und wie sie das Leben dieser fröhlichen Kinder nachhaltig verändern wird.

Das, was wir in Deutschland gerade als Hitzewelle erleben, ist nicht normal. Als Erwachsene mögen wir uns an heiße Ferientage in unserer Kindheit erinnern, in denen wir im Freibad lagen und uns wünschten, dass der Sommer nie enden würde. Doch: Seit 1951 hat sich die Anzahl der besonders heißen Tage verdreifacht und heute ist dieses „Wetter“ (in Anführungsstrichen deshalb, weil es mehr ist als ein kurzfristiger Zustand) für viele Menschen eine große Belastung oder sogar lebensbedrohlich, auch für Heranwachsende. Angesichts der Nachrichten von ausverkauften Ventilatoren, überfüllten Notaufnahmen oder wegen Hitzeschäden gesperrten Straßen: Wir sind als Erwachsene nicht nur selbst schlecht vorbereitet. Wir wissen auch nicht, wie wir mit Kindern darüber sprechen, dass sich diese Situation nicht nur mit erfrischenden Wasserschlachten, einem Eis oder hitzefrei in Schule oder Kita lösen lassen wird. Und gleichzeitig stellt sich die Frage, wie einerseits an die Verantwortung jeder einzelnen Person appelliert werden kann und andererseits die Verantwortung der Politik für den entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen nicht vergessen wird. Und wie immer: Die Antworten sind sehr komplex und steigern das Gefühl der Hilflosigkeit manchmal sogar noch.

Doch es gibt einen Ansatz, der Fachkräfte dazu in die Lage versetzt, mit Kindern gemeinsam Lösungen zu entwickeln: Bildung für nachhaltige Entwicklung (kurz: BNE). BNE befähigt Kinder, ihre Umwelt zu erkunden, Zusammenhänge mit ihrem eigenen Erleben herzustellen und für eine ressourcengerechte Zukunft zu lernen und diese schon in der Gegenwart mitzugestalten. Der erste Schritt kann sein, mit Kindern darüber zu sprechen, wie sie sich bei großer Hitze fühlen, was sie bei sich und bei anderen Menschen beobachten, wie sich ihre Stadt bei hohen Temperaturen verändert und was sie selbst und andere brauchen, um gut durch diese Tage zu kommen. Im nächsten Schritt geht es darum, diese Erfahrungen in konkrete Projekte oder Veränderungen im sozialen Nahraum, in Kita, Schule oder Jugendarbeit zu übersetzen und den systemischen Mehrwert zu verstehen, zum Beispiel in Bezug auf das Dorf, den Kiez, die Stadt bis hin zu globalen Zusammenhängen.

Es geht bei BNE aber nicht nur um das konkrete Projekt zum Thema Hitzeschutz in Kita, Schule und Jugendarbeit, sondern auch darum, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, wie dieses Projekt aussehen soll – die Partizipation steht im Mittelpunkt. Und das wiederum stärkt demokratische Kompetenzen und die Solidarität mit anderen Menschen, die sich bei 40 Grad nicht abkühlen können, sei es, weil in ihrer Region das Wasser knapp ist oder weil sie keinen grünen Innenhof mitten in Berlin haben, in dem sich für einen Sonntagnachmittag lang die Welt noch irgendwie in Ordnung anfühlt.

Autor:in

Name Autor:in

Anna Grebe

Anna Grebe schreibt regelmäßig Gastbeiträge für die Rubrik Aktuelles. Als Beraterin für Jugendpolitik und Jugendbeteiligung begleitet sie Verbände, Vereine, Behörden, Unternehmen, Kommunen, Bund und Länder und alle, die die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in ihre Projekte und Prozesse einbeziehen wollen. Im Podcast "Berufsjugendlich" analysiert sie alle 14 Tage mit ihrem Co-Host Jendrik Peters, was jugendpolitisch in Deutschland los ist.

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