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Bereit für den Notfall?

Impulse für die Praxis • 11.05.2026
Porträtbild von Anna Grebe vor orangem Hintergrund. In weißem Kasten: Gastautorin Anna Grebe
© Paz Olivares Droguett

Und plötzlich war alles dunkel: Als Anfang Januar 2026 im Süden Berlins für mehrere Tage der Strom ausfiel, wurde vielen Menschen bewusst, wie verletzlich unser Alltag ist, wenn die Energieversorgung zusammenbricht.

Zwar gilt die Stromversorgung in Deutschland als sehr zuverlässig, doch längere Ausfälle treten meist im Zusammenhang mit Unwettern, Hochwasser oder anderen Naturkatastrophen auf - Ereignisse, die durch den Klimawandel künftig häufiger werden. Dann wird der Zugang zu Trinkwasser schwieriger, Lebensmittel müssen rationiert werden, und digitale Geräte fallen aus, weil auch Mobilfunknetze nicht mehr funktionieren.

Unabhängig von der Ursache - im Berliner Fall mutmaßlich ein terroristischer Akt - erleben Kinder solche Situationen besonders intensiv und bedrohlich. Vertraute Strukturen wie Kita und Schule, warmes Essen, die abendliche Folge „Bibi und Tina“ auf Papas Tablet oder eine beheizte Wohnung brechen weg. Stattdessen nehmen sie Einsatzkräfte, Sirenen und ungewohnte Geräusche wahr, die sie nicht einordnen können oder mit Gefahr verbinden.

Hinzu kommt, dass Kinder durch soziale Medien zunehmend mit Bildern von Krisen und Kriegen konfrontiert werden oder selbst Fluchterfahrungen mitbringen. Sie verknüpfen diese Eindrücke mit eigenen Erlebnissen wie eben einem Stromausfall, was Ängste verstärken kann. Besonders prägend ist dabei auch das Verhalten der Eltern: Wirken diese hilflos, ängstlich oder hektisch, kann sich das negativ auf das Sicherheitsgefühl der Kinder auswirken, oft auch erst zeitverzögert.

Das Thema Notfallvorsorge ist in Deutschland seit dem Ende des Kalten Krieges in den Hintergrund gerückt, und auch die Pandemie hat daran wenig geändert. Vielen Erwachsenen fehlt eine klare Orientierung, wie sie in solchen Situationen handeln und ihre Kinder emotional begleiten können. Dabei ist es normal, nicht immer souverän zu reagieren, auch Erwachsene dürfen Angst haben und ihre Gefühle zeigen!

Umso wichtiger sind Prävention und Vorbereitung. Neben Eltern tragen auch pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte Verantwortung: Sie können Räume schaffen, um mit Kindern über Krisen zu sprechen und so Ängste ernst zu nehmen. Kennt ihr denn schon „Max und Flocke“? Sie sind die Comic-Protagonisten der spielerisch-didaktischen Materialien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und gemeinsam Strategien zu entwickeln, etwa zur praktischen Vorbereitung auf Stromausfälle, ganz ohne Panik zu schüren.

Was leider häufig in der Debatte vergessen wird: Dass Krisenprävention mit Kindern und Jugendlichen auch einen wesentlichen Teil von demokratischer Bildung darstellt. Wer weiß, wie er sich im Notfall verhält und selbst schützt, kann andere dabei unterstützen, gut für sich zu sorgen. Entscheidend ist nicht nur für das Gelingen von Bildungsprozessen, dass Fachkräfte mit Kindern im Kontakt zu bleiben, sondern dass das „wir“ in den Vordergrund tritt. Denn: Eine resiliente Demokratie zeigt sich nicht nur im Krisenmanagement, sondern auch darin, Kindern glaubhaft zu vermitteln: Du bist nicht allein. Gemeinsam finden wir Wege. Auch ohne Strom.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) bietet neben „Max und Flocke“ weitere zahlreiche Materialienhttps://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html zum Thema Notfallvorsorge, für Kinder und Jugendliche selbst sowie für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte.

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Name Autor:in

Anna Grebe

Anna Grebe schreibt regelmäßig Gastbeiträge für die Rubrik Aktuelles. Als Beraterin für Jugendpolitik und Jugendbeteiligung begleitet sie Verbände, Vereine, Behörden, Unternehmen, Kommunen, Bund und Länder und alle, die die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in ihre Projekte und Prozesse einbeziehen wollen. Im Podcast "Berufsjugendlich" analysiert sie alle 14 Tage mit ihrem Co-Host Jendrik Peters, was jugendpolitisch in Deutschland los ist.

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